Die Bestimmung der Entfernung der Sonne
mit Hilfe von Venustransits
Grundidee der Auswertung doppelt belichteter Fotos
Für zwei Beobachter an verschiedenen Orten der Erde sieht ein Venusdurchgang
unterschiedlich aus: Die Venus tritt zu etwas unterschiedlichen Uhrzeiten vor
die Sonne und verlässt sie auch nicht gleichzeitig. Und im selben Moment hat
die Venus nicht genau dieselbe Position auf der Sonnenscheibe. Dieser
Parallaxeneffekt kann bemerkt und ausgewertet werden,
- wenn man die Länge der von verschiedenen Orten aus gemessenen
Durchgangszeiten miteinander vergleicht,
- wenn man die an verschiedenen Orten gemessenen Ein- oder
Austrittszeitpunkte vergleicht oder
- wenn man die parallaktische Verschiebung von Venus dadurch sichtbar
macht, dass man zwei simultan aufgenommene Fotos des Ereignisses auf dieselbe
Größe skaliert und mit derselben Orientierung übereinander legt.
Auf dieser Seite wird die Grundidee der zuletzt genannten Methode kurz
erläutert. Die Details in einem gesonderten Aufsatz beschrieben.
- Bestimmung der Sonnenentfernung durch Messen des
Parallaxenwinkels der Venus von zwei beliebigen Orten der Erde aus
- Die Sonnenparallaxe πS ist der Winkel, unter dem der
Erdradius von der Sonne aus erscheint.
Es gilt offensichtlich sinπS =
RE/dS
oder, da πS ein sehr kleiner Winkel ist, πS =
RE/dS. Wenn also die Sonnenparallaxe bekannt ist,
dann kann man gemäß
die Entfernung dS zur Sonne berechnen.
Voraussetzung: Der Radius der Erde RE ist bekannt.
- Die Sonnenparallaxe kann nicht direkt gemessen werden, da kein Beobachter
vom Erdmittelpunkt zur Sonne blicken kann. Stattdessen misst man die Position
der Sonne vor dem Sternenhimmel von zwei möglichst weit voneinander entfernten
Orten aus. Der Unterschied in den beiden gemessenen Positionen ist der
aktuelle Parallaxenwinkel βS der Sonne, d.h. der Winkel, unter
dem Der Abstand der beiden Orte von der Sonne aus erscheint.
Aus dem Parallaxenwinkel βS kann die Sonnenparallaxe
πS berechnet werden.
Voraussetzung: Der lineare Abstand Δ der beiden Orte ist
bekannt.
- Die Sonne ist sehr weit entfernt, die Sonnenparallaxe deshalb sehr
klein. Deshalb ist es leichter, den Parallaxenwinkel β eines näheren
Objektes zu messen. Wenn Venus die Sonnenscheibe passiert, ist sie der Erde
viel näher als die Sonne. Außerdem ist ihre Position vor der Sonne gut zu
messen.
Aus dem Parallaxenwinkel βV der Venus kann der
Parallaxenwinkel der Sonne abgeleitet werden.
Voraussetzung: Das Verhältnis der Entfernungen von Venus und Sonne zur
Erde ist bekannt.
- Im Allgemeinen wird die Verbindungslinie zwischen den beiden Orten nicht
senkrecht auf der Richtung zur Sonne stehen.
Dann kommt es auf den Abstand der beiden Orte selbst nicht an, sondern auf
seine Projektion parallel zur Richtung zur Sonne. Die Länge dieser Projektion
kann aber berechnet werden.
Voraussetzung: Der Projektionswinkel ist bekannt.
- Messung des Parallaxenwinkels der Venus auf doppelt belichteten
Fotos
Der Parallaxenwinkel soll durch Vergleich zweier Fotos gemessen werden, die
zeitgleich an verschiedenen Orten der Erde aufgenommen wurden. Dazu müssen die
beiden Fotos aneinander angepasst und miteinander verglichen werden:
- Im Allgemeinen werden die Fotos sowohl unterschiedliche Maßstäbe, als
auch verschiedene Orientierungen haben.
- Nachdem man die Radien der Sonnenscheiben auf beiden Fotos gemessen hat,
kann (im Computer) eines der Bilder so vergrößern, dass beide denselben
Maßstab haben:
- Wenn man nun noch eines der Bilder so dreht, dass beide dieselbe
Orientierung haben, z.B. Norden oben,
dann kann man
- die Bilder so überlagern, dass die Venusparallaxe sicht- und messbar
wird:
Allerdings ist die Orientierung eines Sonnenbildes schwierig mit der
erforderlichen Genauigkeit zu bestimmen!
- Eine Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, sind Doppelbelichtungen mit
fest stehender Kamera: Wenn man dasselbe Negativ im Abstand von etwa zwei
Minuten zweimal belichtet (bzw. zwei Digitalbilder mit dem entsprechenden
zeitlichen Abstand überlagert), dann wird das Bild zwei Abbildungen der Sonne
zeigen, die sich kaum überlagern. Die Ursache dafür ist die Drehung der Erde,
durch die die Sonne scheinbar am Himmel weiter wandert - genau von Ost
nach West, d.h. parallel zum Himmelsäquator!
Die Richtung der Verschiebung zwischen den beiden Sonnenbildern zeigt
also genau die Ost-West-Richtung an!
Vorschläge für die Mehrfachbelichtung von Fotos werden an anderer Stelle gemacht.
Udo Backhaus
letzte Änderung: 18. Mai 2004
|
|